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Corona-Apokalypse in Rumänien

22.10.2021

In Rumänien gibt es weltweit die höchste Sterberate im Zusammenhang mit dem Covid-Virus. Mitten in Europa... Ein Land in der EU...

 

Vergangene Woche gab es an einem Tag 19.000 Neuinfektionen und 561 Coronatote. Alleine am nächsten Tag gab es 574 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona. Auch im Bukarester Universitätsklinikum gab es deswegen zeitweise sogar im Kühlraum der Leichenhalle keinen Platz mehr.

 

Die vierte Welle tobt in Rumänien. Am 20.10.2021 hatte das Land eine Sieben-Tage-Inzidenz von 540! Die hohen Infektions- und Sterbezahlen sind hauptsächlich mit einer Impfquote von 30 Prozent zu erklären, was die niedrigste Impfquote in der EU ist.

 

Diese katastrophale Impfquote hat verschiedene Gründe

In Rumänien trauen die Menschen den Behörden nicht. Seit dreißig Jahren versprechen diverse Regierungen nach der Wahl Aufschwung, Besserungen und Modernisierung. So wie die Modernisierung im Gesundheitssystem, Sanierung der Krankenhäuser sowie mehr Intensivbetten. Die Krankenhäuser sind marode, es fehlt an allem.

Es wird nicht nur an Geräten und Gebäuden gespart. Man hat zwar angefangen an Computern zu arbeiten, aber das meiste wird noch mit Papier und Bleistift erledigt. Seit dreißig Jahren ist nur ein staatliches Krankenhaus gebaut worden. Vor drei Wochen gab es ein Krankenhausbrand, wo in den Flammen sieben Covid-Patienten auf der Intensivstation starben. Die Brandursache war eine veraltete Stromleitung. Es war der zehnte Krankenhausbrand in weniger als einem Jahr. Nebenbei bemerkt, Rumänien bekommt mehr als zwei Milliarden Euro aus den Covid-Hilfstöpfen der EU, um das Gesundheitswesen zu modernisieren.

 

In Rumänien sind 1.668 Betten auf Intensivstationen für die Covid-Patientinnen und -Patienten reserviert, aber derzeit landesweit mehr als 1.800 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt. Teilweise in Krankenhausfluren, in Containern, Zelten und Krankenwagen.

30 schwer kranke Patienten hat Rumänien bereits ins Nachbarland Ungarn überwiesen. Staatspräsident Klaus Johannis hatte sich bereits in der vergangenen Woche beim ungarischen Regierungschef Viktor Orbán für die Unterstützung bedankt.

 

Seit 2012 gibt es eine andauernde Regierungskrise mit 17 verschiedene Premiers, 13 verschiedene Regierungen und Dutzende Ministerwechsel.

Viele Rumänen misstrauen den staatlich gelenkten Kampagnen. Um der Impfkampagne mehr Vertrauen einzuflößen, wird sie nicht vom Gesundheitsministerium, sondern von der rumänischen Armee geführt. Die Armee genießt in der Bevölkerung hohes Ansehen, ganz anders als die Regierung und das Parlament. Trotz geringer Impfbereitschaft und begrenzter Haltbarkeit der Impfdosen ist es schwer nachzuvollziehen, warum die Bukarester Regierung Ende Juni über eine Million Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer alleine an Dänemark verkauft hat.

 

Was Abstandsregeln und Maskenpflicht betrifft geht die Regierung nicht mit gutem Beispiel voran. So fand vor kurzem ein Kongress der Nationalliberalen Partei, an dem auch Staatspräsident Klaus Johannis teilnahm, mit 5000 Teilnehmern und fast ohne Schutzmaßnahmen statt. Die Polizei verhängte diesmal ein Bußgeld wegen Verletzung der Abstandsregeln und Nichteinhaltung der Maskenpflicht. Sonst werden die Corona-Maßnahmen selten durchgesetzt, nicht mal kontrolliert.

 

Am Montag soll laut Staatspräsident Klaus Johannis ein Paket von Maßnahmen in Kraft treten, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dazu gehört eine zweiwöchige Unterbrechung des Schulunterrichts sowie eine nächtliche Ausgangssperre für Ungeimpfte. Gleichzeitig forderte die Regierung die Bevölkerung auf, sich impfen zu lassen.

 

Wir hoffen mal, dass die rumänische Regierung die Bevölkerung überzeugen kann und dadurch die Zahlen in Rumänien gesenkt werden können. Schließlich kann man nicht außer Acht lassen, dass das Land ein EU-Land ist, unzählige Bürger arbeiten zeitweise in Deutschland und reisen alle paar Wochen hin und her. Weil die Grenzen (zumindest mit dem Auto) nicht bzw. kaum kontrolliert werden, kann das die Infektionszahlen auch in Deutschland beeinflussen...

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