Impfung

Wochenkolumne - Impfen - ja oder nein

06.08.2021

Impfungen werden zur Glückslotterie verschrien.

Im Moment muss man sich fragen, wo führt diese Pandemiereise am Ende hin. Gerade einmal knapp 55 Prozent Impfquote, übrigens nur in der Altersgruppe ab 18. Die Quote auf die Gesamtbevölkerung ist somit deutlich niedriger. Doch was führt zu dieser überschaubaren Impfquote?

Es sind seit Impfbeginn Fehler über Fehler kommuniziert worden, positive Meldungen: "Mangelware".

 

Ob Astrazeneca oder auch Johnson & Johnson; überall hat man sich auf die Präsentation von minimalen Zahlen an Menschen bezogen, die durch Impfstoffe starke Nebenwirkungen hatten, eventuell sogar daran gestorben sind. Die Anzahl derer, die nur maginale Nebenwirkungen hatten (immerhin knapp 90% der aktuell Geimpften) wurde nicht so stark ins Rampenlicht gestellt. So entsteht ein Vertrauensverlust, der durch Fehler in der Politik (Impfstoffmangel, Fehlplanungen, etc.) nochmals verstärkt wurde. Auch die aktuelle Entscheidung eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren auszusprechen, vor allem entgegen der Empfehlung der Stiko, schürt weiteres Misstrauen.

 

Politik gegen Wissenschaft.

Mit der Empfehlung der Bundesregierung für Impfungen, stellt man sich gegen die Wissenschaft. Doch Vertrauen schafft man so nicht, es ist wohl eher wahlkampforientiert als gesundheitspolitisch vertretbar. Weil die Politik bis heute nicht in der Lage war, an Schulen vorzubeugen, vernünftige Hygienekonzepte zu entwickeln, Voraussetzungen für digitales Lernen geschafft haben, bleibt jetzt nur "das Impfen", eigentlich wie immer in dieser Pandemie. Entweder alles wird zu gemacht oder es wird geimpft; eine andere Strategie ist seit Monaten nicht erkennbar.

 

Dabei war genug Zeit da, um beispielsweise Schulen besser zu schützen. Hier wird mit einer beharrlichen Strategieverweigerung wieder einmal aufs Impfen gesetzt, ausnahmslos. Das schafft kein Vertrauen und wird sich eher negeativ auswirken, als positiv. Als prominentes Beispiel dient der Tübinger OB Boris Palmer, er hat drei Kinder und will sie nicht impfen lassen. Verständlicherweise.

 

Früher wurde mal gesagt "Wissen ist Macht", heute muss man fast schon sagen "nichts wissen macht auch nichts". Wenn die Wissenschaft Berechnungen macht, sind sie sicher zuverlässiger als die Prognosen eines Jens Spahn oder eines Olaf Scholz. Die Wissenschaft so zu diffamieren, schafft Misstrauen, das Gegenteil dessen, was man aktuell aber schaffen muss. Man könnte ein ganzes Buch über dieses Thema schreiben, eins erkennt man aber bereits jetzt: Diese Pandemie, die daraus resultierenden, teils skurilen Fehler der Politik werden nachhaltig für weitere Probleme sorgen. Denn wenn man erst einmal damit angefangen hat, Teile des Grundgesetzes, Grundwerte und die Vernunft außer Kraft zu setzen, liegt die Vermutung nahe, sich im Bereich Bildung und Wirtschaft auch eher falsch zu verhalten. Die Probleme der Zukunft werden direkt damit in Zusammenhang zu bringen sein.

 

Unsere Gesellschaft ist jetzt schon gespalten wie nie zuvor, ein hohes Agressionspotenzial ist vorhanden. Ein Leben auf dem Pulverfass, jederzeit entzündbar und mit verheerenden Auswirkungen auf unsere Gesellschaft. Die Pläne von Jens Spahn, eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ab Herbst zu realisieren, bringt mir Sorgenfalten auf die Stirn. In einer demokratischen, angeblich diskriminierungsfreien Gesellschaft wäre das ein Fingerzeig in die falsche Richtung. Viel wichtiger wäre es einmal, klare Strukturen zu schaffen, eine Strategie außerhalb der "auf und zu" Nummer zu entwickeln. Und wenn es nur funktioniert, wenn man "Geimpfte" und "Nicht-Geimpfte" voneinander trennt, teilweise damit in Familien eingreift, in Meinungsfreiheit eingreift, wird sich die Spaltung nochmals vergrößern.

 

Ich halte nichts von Verschwörungstheorien, Impfverweigerern, aber diese Begriffe werden bereits jetzt in neue Definitionen gepackt. Ist ein Impfverweigerer jemand, der sich Gedanken um sein Immunsystem macht, der sich die Frage stellt, wie oft jetzt zukünftig eigentlich eine Impfung fällig ist, der überlegt wann eventuell ein richtiger Zeitpunkt ist, um die vierte Welle schadlos zu überstehen? Ist ein Verschwörungstheoretiker jemand, der vernünftig ist und wissenschaftlich begründet keine Empfehlung für 12 - 18 jährige macht? Was ist das eigentlich? Wie definiert man diese Begriffe? Verschwörungstheoretiker, Impfverweigerer?

 

Ich bin kein Mensch, den man in Schubladen packen kann, keiner der nicht vorsichtig genug mit diesen Dingen umgeht, aber ich bin auch nicht blauäugig und erkenne in den aktuellen Entscheidungen der Politik eher den Versuch, Stimmen zu sammeln, als sich vernünftig und wissenschaftlich begründet mit einer Pandemie auseinanderzusetzen, die fast 100.000 Todesopfer alleine in Deutschland und zwei Millionen weiltweit gefordert hat. Eine Pandemie, die Langzeitschäden verursacht, die noch gar nicht auf dem Schirm sind.

 

Da unterscheidet sich Wissenschaft und Politik, die Wissenschaft muss nicht um Stimmzettel kämpfen, ihr reichen Berechnungen und Modelsimulationen, um Ergebnisse in einem hohen Genauigkeitsgrad zu berechnen. Auch wenn es schwierig ist und wird. Im Land der "Denker und Dichter" sollte man viel mehr der Wissenschaft vertrauen und nicht Menschen, die um ihren Stuhl, ihren Einfluss und ihre Macht kämpfen. Da zeigt sich eher Egoismus, und ob Egoismus der Schlüssel zum Lösen von Problemen ist, da ist sich die Wissenschaft einig. NEIN!

 

Ich persönlich würde es bevorzugen, klar und vernünftig mit dieser leidigen Pandemie umzugehen und einfach mal nicht darüber nachzudenken, ob eventuell im Herbst der Stuhl ein anderer ist, die Pensionen sich verringern und die eigene Machtposition eventuell anders gelagert ist.

 

 

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